Medizinalcannabis-Großhandel in Deutschland: Markt, Regularien und Zahlen

Der Markt für medizinisches Cannabis in Deutschland ist in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen — getrieben von mehr verschreibenden Ärztinnen und Ärzten, steigenden Importmengen und einer wachsenden Zahl an Unternehmen, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben. Für alle, die sich mit der Handelsseite der Branche beschäftigen, lohnt sich ein genauerer Blick auf Marktgröße, Regulierung und die tatsächlichen Zugangswege zum Cannabis-Großhandel.

Ein wachsender, aber komplex regulierter Markt

Der deutsche Markt für medizinisches Cannabis wird für 2025 auf rund 487 Millionen Euro geschätzt, mit weiterem Wachstum bis mindestens 2029 prognostiziert. Parallel dazu sind die Importmengen deutlich gestiegen — allein im Gesamtjahr 2025 wurden über 200 Tonnen medizinisches Cannabis in Form von Blüten und Extrakten nach Deutschland importiert. Diese Entwicklung zeigt: Der Markt ist längst kein Nischensegment mehr, bewegt sich aber weiterhin in einem sehr engmaschig regulierten Rahmen.

Zwei Wege in den Markt: Anbau oder Import

Wer medizinisches Cannabis in Deutschland in Verkehr bringen will, hat im Kern zwei Optionen. Der inländische Anbau erfolgt ausschließlich über Unternehmen, die von der beim BfArM angesiedelten Cannabisagentur in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren ausgewählt wurden — ein Weg, der bislang nur wenigen, größeren Anbietern offensteht. Der deutlich häufigere Weg ist der Import, meist aus EU-Staaten wie den Niederlanden oder Portugal, aber auch aus Drittstaaten wie Kanada.

Welche Erlaubnisse ein Großhändler braucht

Anders als im klassischen Pharmagroßhandel reicht für den Cannabis-Großhandel keine einzelne Erlaubnis. Notwendig sind die allgemeine arzneimittelrechtliche Großhandelserlaubnis, eine Erlaubnis nach dem Betäubungsmittelrecht sowie eine gesonderte, produktbezogene Erlaubnis nach dem Medizinal-Cannabisgesetz — letztere wird vom BfArM nur auf eigenen Antrag erteilt und deckt jeweils nur die dort konkret gelisteten Produkte ab. Wer zusätzlich importieren will, braucht darüber hinaus für jede einzelne Lieferung eine gesonderte Ein- oder Ausfuhrgenehmigung.

Diese Regulierungstiefe unterscheidet den Medizinalcannabis-Großhandel deutlich von anderen Pharmasegmenten — und erklärt, warum der Markteintritt für neue Unternehmen mit einem erheblichen zeitlichen und finanziellen Vorlauf verbunden ist.

Warum Sichtbarkeit in diesem Markt eine eigene Herausforderung ist

Klassische Werbekanäle stehen Unternehmen in diesem Segment kaum zur Verfügung — Werbung, die sich an Patientinnen und Patienten richtet, ist für verschreibungspflichtige Arzneimittel grundsätzlich untersagt, und auch große Werbeplattformen schränken Cannabis-Anzeigen unabhängig von der rechtlichen Zulässigkeit stark ein. Organische Auffindbarkeit wird dadurch zu einem der wenigen verlässlichen Wege, um von Apotheken, Kliniken und anderen Fachkreisen überhaupt gefunden zu werden.


Wer sich tiefer mit den regulatorischen Voraussetzungen beschäftigen will, findet ausführlichere Leitfäden zur Großhandelserlaubnis für Medizinalcannabis und zum Import von Cannabisblüten und Extrakten.