Nährstoffe in der Blüte: Phosphor- und Kaliumbedarf

Sobald die Blütephase eingeleitet ist, verändert sich der Nährstoffbedarf grundlegend — was in der vegetativen Phase noch stickstoffgetrieben war, verschiebt sich jetzt deutlich Richtung Phosphor und Kalium.

Warum sich der Bedarf so stark verändert

In der Blütephase richtet die Pflanze ihre Energie fast vollständig auf die Bildung neuer Blüten und Cannabinoide statt auf neues Blatt- oder Stängelwachstum. Stickstoff bleibt zwar weiterhin nötig, aber in deutlich geringeren Anteilen — wird er nicht reduziert, kann zu viel Stickstoff in der Blüte üppiges Blattwerk statt dichter Blüten fördern und sogar das spätere Aroma beeinträchtigen.

Phosphor: Der Baustein für Blütenbildung

Phosphor spielt eine entscheidende Rolle bei der Blütenbildung selbst und bei der Energieverteilung innerhalb der Pflanze — ein Prozess, der direkt für die Entwicklung dichter, harzreicher Buds verantwortlich ist. Der Phosphorbedarf steigt mit Beginn der Blüte deutlich an und bleibt über weite Teile der Phase hoch.

Kalium: Mehr als nur ein Nebendarsteller

Kalium reguliert den Wasserhaushalt der Pflanze, stärkt Zellwände, aktiviert Enzyme und trägt zur Synthese von Kohlenhydraten bei. Weniger bekannt: Kalium spielt auch eine Rolle bei der Terpensynthese und stärkt die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Pflanze gegen Schädlinge und Krankheiten.

Typische NPK-Verhältnisse — mit einer wichtigen Einschränkung

Verschiedene Hersteller und Quellen nennen unterschiedliche konkrete Verhältnisse — es gibt keine einzelne "richtige" Zahl, sondern einen Trend, den alle Produkte teilen:

Blütephase-Abschnitt Typisches NPK-Verhältnis (Beispiele)
Frühe bis mittlere Blüte 1-3-2, 1-3-4, 1-4-3, 2-4-6
Mittlere Blüte (Höhepunkt) rund 6:15:10 bzw. 6:10:15
Letzte Wochen reiner Kaliumdünger, z. B. 0-0-10

Wichtig zu verstehen: Diese Zahlen unterscheiden sich je nach Hersteller und Produktlinie spürbar — wer beispielsweise mit Athena-Düngern arbeitet, sollte sich strikt an den dortigen Feeding Chart halten, statt Werte verschiedener Marken zu mischen.

Der Verlauf über die Blütephase

Viele Grower beginnen bereits mit der Umstellung auf Blütedünger, sobald der Lichtzyklus auf 12/12 wechselt — da sich die Pflanze in den ersten Wochen noch im Stretch befindet, wird zu diesem Zeitpunkt oft noch etwas Stickstoff benötigt. Mit fortschreitender Blütenbildung steigt der Phosphor- und Kaliumbedarf spürbar an, bis zur Mitte der Phase häufig ein Höhepunkt erreicht wird. Gegen Ende reduziert sich die Düngermenge wieder, teils auf reine Kaliumgaben.

pH-Wert und EC in der Blüte

Für eine optimale Nährstoffaufnahme gilt in der Blüte ein pH-Wert von 6,0 bis 6,5 in Erde und 5,5 bis 6,0 in Hydrokultur. Beim EC-Wert liegt die Spitzenkonzentration in Kokos oder Hydro meist bei 1,8 bis 2,2 — wobei die Genetik eine wichtige Rolle spielt: OG-dominierte Sorten vertragen tendenziell höhere Düngergaben, während empfindliche Sativas und manche Autoflowering-Sorten bereits bei einem EC von 1,6 an ihre Grenze stoßen.

Überdüngung erkennen

Typische Anzeichen einer Überdüngung sind braune, knusprige Blattspitzen (die klassische "Spitzenverbrennung"), dunkelgrüne, klauenartig gekrümmte Blätter mit lackartigem Glanz, oder stockendes Wachstum trotz guter Lichtversorgung. Wer diese Anzeichen früh erkennt, kann durch Reduzieren der Düngermenge oder Spülen mit klarem Wasser gegensteuern, bevor größerer Schaden entsteht.

Flushing vor der Ernte: Ein umstrittenes Thema

In den letzten ein bis zwei Wochen vor der Ernte verzichten viele Grower komplett auf Dünger und spülen die Erde nur noch mit klarem, pH-korrigiertem Wasser — das sogenannte Flushing. Wie wirksam und notwendig das tatsächlich ist, wird unter Growern kontrovers diskutiert; es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens darüber, ob Flushing das Endprodukt spürbar verbessert. Wer unsicher ist, kann sich an der eigenen Erfahrung oder den Empfehlungen des jeweiligen Düngerherstellers orientieren.

Fazit

Der Wechsel von stickstoffbetonter zu phosphor- und kaliumbetonter Düngung ist der zentrale Unterschied zwischen vegetativer Phase und Blüte. Wichtiger als eine exakte NPK-Zahl ist dabei, sich an ein konsistentes Düngeschema zu halten, die Pflanze aufmerksam auf Über- oder Unterdüngung zu beobachten, und pH sowie EC-Wert regelmäßig zu kontrollieren.