Blütephase einleiten: So funktioniert der 12/12-Rhythmus

Nach Wochen des Strukturaufbaus beginnt mit der Blütephase der Abschnitt, auf den jeder Grow hinausläuft: Aus vegetativer Wachstumsarbeit werden endlich echte Buds. Wie diese Umstellung funktioniert und was in den folgenden Wochen passiert, im Überblick.

Wie die Blütephase eingeleitet wird

Bei photoperiodischen Sorten indoor genügt eine einzige Veränderung: die Umstellung des Lichtzyklus von 18/6 (18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit) auf 12/12 — also jeweils 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit. Diese Umstellung imitiert die natürliche Verkürzung der Tageslänge im Spätsommer und signalisiert der Pflanze eindeutig: Zeit, ihre Energie in die Blütenbildung statt weiteres Blattwachstum zu stecken.

Outdoor übernimmt die Natur diese Aufgabe automatisch — sobald die Tage im Spätsommer natürlich kürzer werden, beginnt die Blüte von selbst. Autoflowering-Sorten brauchen dagegen gar keine Lichtumstellung: Sie blühen automatisch nach etwa drei bis sechs Wochen, unabhängig vom Lichtzyklus — deshalb werden sie meist durchgehend bei 18 bis 20 Stunden Licht angebaut, um Wachstum und Ertrag zu maximieren.

Der Stretch: Was in den ersten Wochen passiert

Direkt nach der Umstellung tritt die Pflanze zunächst in eine sogenannte Streckphase ein — sie kann in dieser Zeit ihre Höhe verdoppeln oder sogar verdreifachen, bevor sich das Wachstum auf die Blütenbildung konzentriert. Das hat eine wichtige praktische Konsequenz für die Planung: Stellt die Blüte am besten ein, wenn die Pflanze erst etwa halb so hoch ist wie euer verfügbarer Grow-Raum — sonst wird es später eng, und die Lichtverteilung leidet.

Die Blütephase Woche für Woche

Zeitraum Was passiert
Woche 1–2 Streckphase, erste Blütenansätze bilden sich
Woche 2–4 Blütenknospen wachsen, Harzproduktion beginnt
Woche 4–8 Vollblüte: dichte Buds, maximale Harzproduktion
Woche 8–12 Ausreifung: Trichome wechseln die Farbe, Ausleitung vor der Ernte

Der genaue Ablauf variiert je nach Sorte spürbar.

Wie lange dauert die Blütephase insgesamt?

Hier gibt es keine einheitliche Zahl, sondern eine Spanne, die stark von der Sortenwahl abhängt: Die meisten modernen Cannabis-Hybriden sind indoor nach 8 bis 10 Wochen Blütezeit erntereif. Manche schnellblühenden Sorten sind etwas früher fertig, während einige Sativa-Sorten 12 bis 14 Wochen benötigen, um vollständig auszureifen. Wer eine bestimmte Sorte anbaut, sollte sich frühzeitig über deren typische Blütedauer informieren, statt pauschal von "8 Wochen" auszugehen.

Nährstoffbedarf: Der Wechsel zu Phosphor und Kalium

Während in der vegetativen Phase Stickstoff im Vordergrund steht, verschiebt sich der Bedarf in der Blüte deutlich zu Phosphor und Kalium. Viele Grower stellen bereits direkt bei der Lichtumstellung auf einen speziellen Blütedünger um — da sich die Pflanze in den ersten Wochen aber noch im Stretch befindet, wird in dieser Übergangszeit oft weiterhin etwas Stickstoff benötigt. Mit zunehmender Blütenbildung steigt der Phosphor- und Kaliumbedarf dann spürbar an. Wichtig: Wer nach einem festen Düngeschema arbeitet, sollte sich an die Herstellerangaben halten und die Pflanze trotzdem aufmerksam beobachten, um Über- oder Unterdüngung frühzeitig zu erkennen.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Blüte

Eine stabile Umgebung ist in der Blütephase besonders wichtig: Temperaturen zwischen 20 und 26 °C und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 % gelten als optimal. Ein Detail, das oft übersehen wird: Die ideale Luftfeuchtigkeit sinkt mit zunehmender Blütendichte — je dichter die Buds werden, desto eher begünstigt zu hohe Feuchtigkeit Schimmelbildung im Inneren der Blüte.

Gießen in der Blütephase

Einen festen Gießrhythmus gibt es nicht — wie oft gegossen werden muss, hängt von Topfgröße, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Substrat ab. Die Grundregel bleibt einfach: erst gießen, wenn das Substrat ausreichend abgetrocknet ist. Staunässe kann Wurzelprobleme und Nährstoffstörungen verursachen — ein Fehler, der sich durch die gesamte Blütephase zieht, wenn er nicht früh erkannt wird.

Fazit

Die Blütephase einzuleiten ist technisch simpel — eine Lichtumstellung auf 12/12 genügt bei den meisten Indoor-Setups. Die eigentliche Herausforderung liegt in den Wochen danach: den Stretch richtig einplanen, den Nährstoffwechsel zum richtigen Zeitpunkt vollziehen, und Temperatur sowie Luftfeuchtigkeit konsequent im Blick behalten. Wer diese Grundlagen beachtet, legt den Grundstein für eine Ernte, die dem in der vegetativen Phase investierten Aufwand tatsächlich gerecht wird.